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Skandinavien – Der achtzehnte Tag

Hvide Sande, das Anglermekka. Heute sollst du deinem Namen gerecht werden. Mone und ich stehen recht früh auf, mit dem Frühstück sind wir schon um neun Uhr fertig. Wir machen aus, dass wir zunächst mit dem Rad in die Stadt fahren, um uns etwas umzuschauen. Ich war ja gestern schon kurz dort und muss sagen: Touristisch lohnt sich die Stadt überhaupt nicht. 10 Outdoorgeschäfte, ein Lebensmittelladen, zwei Restaurants und zwei Banken sowie eine Bäckerei. Mehr ist hier echt nicht zu sehen. Mone und ich statten aber dem Angelgeschäft Kott Fritid einen kurzen Besuch ab, um die Angelkarte zu kaufen. Danach spazieren wir einen kleinen Hügel hoch und finden dort einen Bunker aus dem 2. Weltkrieg. Ganz schön eng da drin und Licht gibt es nur von meiner Handytaschenlampe.  Die Aussicht über Hvide Sande ist aber nicht von schlechten Eltern, auch wenn ich der Meinung bin, dass es doch eher industriell wirkt.

Am Horizont baut sich  plötzlich eine dunkle Regenfront auf. Bevor ich Mone darauf hinweisen kann, fängt es auch schon an zu tröpfeln. Im schnellem Tempo gehen wir zurück zum Rad und treten ordentlich in die Pedalen. Der Regen wird stärker. Beim nächsten Restaurant machen wir Halt, wollen die Wolke vorbeziehen lassen und uns währenddessen ein Getränk gönnen. Wir sind zwar nicht aus Zucker, doch Regen gekoppelt mit kalten Wind ist einfach unangenehm. Also werfen wir einen Blick in die Getränkekarte. Schock: Kakao für ca. 8 Euro, Tee für knapp 5 €. Da spielt es uns natürlich voll in die Karten als der Regen das Ende ankündigt. Wir ergreifen rechtzeitig die Flucht ehe der Kellner unsere Bestellung aufnehmen kann. Jetzt bleiben noch die gefühlten 10 Outdoorläden, der Lebensmittelladen und die zwei Banken sowie die Bäckerei. Wir klappern alle Outdoorläden ab, geben allerdings hier keinen Cent aus. Die Bäckerei ganz am hintersten Ende bietet leckere Kuchenvariationen in viel zu großen Portionen an. Nix dabei für uns, also wieder raus in die „Fußgängerzone“ (ein anderes Wort würde es bestimmt besser treffen, hier mischt sich nämlich Einbahnstraße mit Fußgängerbereich, aber ich bin gerade einfallslos).

Auf dem Weg zu den Fahrrädern holen wir uns noch ein Eis. Wir lassen 8€ in der Eisdiele für eine Kugel Oreo und ein Softeis mit Schokoguss. Dänische Preise sind echt gewöhnungsbedürftig. Überhaupt ist es oft so, dass man mit steigender Menge mehr Geld sparen kann. 3 für den Preis von 2. 10 für den Preis von 7. Versteh ich bis heute nicht. Wer kauft sich zum Beispiel 3 von den 5 Kilogramm Waschpulververpackungen? Das sind 225 Wäscheladungen, so oft waschen wir vielleicht in drei Jahren. Nur um vielleicht 35 DKK zu sparen. In Worten – FÜNF EURO.

Nach der Regenwolke scheint nun nur noch die Sonne, ganz so wie es meine Wetterapp vorhergesagt hat. Strahlend blauer Himmel und keine einzige Wolke mehr in Sicht und das bis in die späten Abendstunden. Wieder zurück auf dem Campingplatz lassen wir die Räder stehen und gehen zu Fuß am Strand entlang zurück zur Mole. Mone gewappnet mit einer Decke und neuem Lesefutter und ich mit meiner Angel und einem Eimer. An der Mole probiere ich zunächst die südliche Molenseite aus, doch kein Fischkontakt. Ich breche ab und wandere weiter zur Hafenmole und habe dort nach 2 Stunden Paternosterwerfen den ersten Fischkontakt. Bevor ich den Fisch jedoch aus dem Wasser hieven kann, hat er sich schon wieder befreit. Die Fische beißen heute wohl nirgends. Viele Angler befinden sich auf der südlichen Mole und keiner hat was gefangen, zumindest den leeren Eimern nach zu beurteilen.

Nichts gefangen und doch was gelernt

Ich gebe nicht auf: Den ganzen weiteren Nachmittag versuche ich es an verschiedenen Stellen, aber es tut sich einfach nichts mehr. Wohl entweder zu warm oder das Wasser zu niedrig. Die Flut kommt erst richtig in den Abendstunden, doch meine Motivation ist inzwischen Cocktails trinken gegangen und letztlich gebe ich dann doch auf. Eine enttäuschende Erfahrung, doch man lernt immer wieder neue Sachen beim Angeln. Vielleicht nicht was fürs Leben, aber über Fische und alle anderen Lebewesen am und im Wasser. Möwen sind zum Beispiel oft gute Indikatoren für Fisch, heute hatten sie aber alle wohl eher Wellnesstag. Nur vereinzelt sind Möwen umhergeflogen, allermeistens ließen sie sich aber vom Wind im Wasser treiben. Aber bei dem guten Wetter kann man es ihnen auch nicht verübeln. 😉

Hvide Sande ist die Stadt mit den 14 Schleusentoren, die den Zufluss vom Meer in den Ringkobing Fjord regelt. Und vermutlich nur deshalb für viele Angler ein Mekka, weil eben der unterschiedliche Wasserfluss von Frisch- und Altwasser im Fjord die Fische anzieht. Außerdem gibt es hier großzügig angelegte Molen, die natürlich Nahrungsgrundlage für viele kleine Fischarten sind. Diese wiederum sind Nahrungsgrundlage für die Raubfische der Region. Dorsche, Makrelen und Heringe sind hier genauso daheim wie Plattfische. Ich glaube einfach, dass der Hype um diesen Ort medial bedingt ist. Zu den Heringszeiten, die hier zwei Mal im Jahr vom Meer ins Fjord und wieder zurück ziehen, sind hier Massen an Menschen, um hunderte von Heringen pro Person aus dem Wasser zu ziehen. Was an sich ja auch recht einfach sein muss, denn die Schleuse ist an der engsten Stelle vielleicht 30 Meter breit. Dorsche werden hier wohl nur vereinzelt von der Mole gefangen und Hornhechte sind auch nur zur Frühjahreszeit an der Oberfläche zu sehen. Dadurch, dass hier aber viele „Put and Take“ Seen ringsherum sind, könnte das natürlich ein weiteres Argument für den Begriff „Anglermekka“ sein. Aber „Put und Take“ Seen find ich persönlich irgendwie irrsinnig. Man lässt gezüchtete Fische in einen See, nur um ihn später wieder zu angeln. „Kannste auch gleich in meinen Eimer packen“, denke ich mir da nur.

Die Rückkehr zum Campingplatz machen wir wieder am Strand entlang, dann gibt es das letzte Abendessen in Dänemark. Morgen brechen wir auf Richtung Lüneburger Heide. Der letzte Halt vor dem Besuch von unseren Freunden in Niedersachsen. Wettermäßig müssen wir wohl auch Abschied von der Sonne und den blauen Wolken nehmen.

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