Norwegen,  Reiseberichte,  Schweden,  Skandinavien 2016,  Touren

Skandinavien – Der dreizehnte Tag

Adieu Sverige – Hei Norge!

Wir nehmen heute endgültig Abschied von Schweden und begeben uns auf in das Land der Fjorde und Berge nach Norwegen. Das Wetter spielt mit, nach dem Regen gestern Abend, strahlt uns die Sonne zum Frühstück ins Gesicht. Nach dem Frühstück fahren wir zunächst Richtung Älgafallet, dem Elchwasserfall der zeitgleich auch die Grenze von Schweden und Norwegen markiert.

Schon bei der Ankunft am Parkplatz unten erhascht sich ein kleiner Blick auf den faszinierenden Wasserfall, der auf einer gewissen Höhe (40 Meter) das Wasser in einem Winkel von 45° nach links lenkt. Natürlich nicht wie von Geisterhand. Die Wassermassen scheinen sich mit der Zeit allerdings eine solche Gesteinsbahn geformt zu haben. Mone und ich wandern noch bis nach oben zum kleinen Bach und staunen nicht schlecht als wir die Brücke mit der norwegischen und schwedischen Flagge sehen. Wäre uns auf alle Fälle entgangen, wenn wir nicht nach oben gewandert wären. Der Wasserfall ist wieder so ein „Must-See“-Punkt auf unserer Reise. Richtig spektakulärer Anblick sowohl von unten nach oben, als auch von oben nach unten. Lohnt sich also sehr, wie wir finden.

Nach der gemütlichen kleinen Wanderung sind wir bereit für Norwegen. Ich fahre auf die 22 und bemerke ein Stück weit landeinwärts ein Schild mit dem Hinweis, dass man dort seinen Abwassertank leeren kann. Kommt uns eigentlich gelegen. Porthos ist fast bis oben hin mit Wasser gefüllt und wenn 30 Liter Wasser rausgelassen werden, sind das immerhin 30 Kilogramm. Das Schild weist auf einen kleinen Bauernhof oder etwas Ähnlichem hier in Norwegen. Ich fahre von der 22 runter und direkt auf die Abwasserklappe zu. Mone hat beim Anblick des Tanks kein gutes Gefühl, ich will aber unbedingt den Tank leeren, um Gewicht zu sparen. Norwegen ist bekanntlich nicht die Niederlande. Die Abwasserklappe an sich ist aus Holz, darüber herfahren macht also keinen Sinn. Daher bitte ich Mone, mir beim Rangieren zu helfen.

Beim Rückwärtsfahren passiert es dann. Porthos sackt mit dem hinteren rechten Reifen zwischen den Abwassertrichter und dem Holzvorbau ein und gibt ein lautes Zischen von sich. Mone schreit hörbar erschrocken auf : „Der Reifen ist geplatzt“. Ich hab erst einen Schock, dann fluche ich laut vor mir her. „So eine verdammte Kacke!“ Mitten in der Pampa und der Reifen ist geplatzt. Wir beruhigen uns recht schnell, doch der Frust sitzt tief. Beim näheren Betrachten fällt uns auf, dass die Holzkonstruktion, um den Abwassertank schon richtig morsch war und das Metall drumherum völlig verrostet ist. Das haben wir beide allerdings vorher nicht sehen können. So war das Holz und die rostigen Kanten des Abwassertankes mit Grünem bedeckt. Wir sind also im wahrsten Sinne des Wortes in eine Falle getappt.

NEC_1114Freitag ist heute nicht, aber es ist der dreizehnte Tag auf Reisen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Während Mone versucht, direkt vor Ort jemanden zu finden, der uns helfen kann, denke ich an die vor kurzem abgeschlossene ADAC Plus Mitgliedschaft.  Als Mone zurück kommt und erzählt, dass sie nur einen alten Mann auffindbar machen konnte, der mit seinen länglichen wenigen weißen Haaren und verfaulten Zähnen einer Figur aus dem Harry Potter Film gleichte, habe ich das Telefon griffbereit nd wähle die Nummer gegen Pannenkummer. Man haben wir Glück im Unglück. Sofort rufe ich die Dame an der Servicehotline an und sie versichert mir, dass sich in den nächsten Minuten jemand aus der näheren Umgebung bei uns melden wird. Am Telefon gebe ich noch die wichtigsten Daten wie Fahrzeughöhe und Gewicht an, damit nicht ein kleines Auto angefahren kommt, um den dicken Porthos mit seinen 3,1 Tonnen abzuschleppen. Kurze Zeit später erhalte ich einen Anruf von einem norwegischen Abschleppunternehmer, der binnen der nächsten 30 Minuten da sein will. Puh, bis hier hin klappt ja alles einwandfrei.

Als er eintrifft, ich nenne ihn jetzt mal Ole vom Abschleppdienst, haben wir das erste Problem. Porthos steht 90° zur Straße versetzt. Mit einem platten Reifen. Ole fragt, ob ich vielleicht in der Lage bin Porthos zu bewegen, aber das klappt leider nicht. Weder vor noch rückwärts. Die Reifen drehen dank Vorderantrieb und Schotter unter dem Gummi nur durch.

Dann hat Ole doch die entscheidende Idee, Porthos mit einer Umlenkrolle – auf der Ladefläche befestigt – und dem Stahlseil aus der Patsche zu ziehen. Das klappt ganz gut und Porthos ist zunächst aus dem Loch raus. Jetzt muss er noch auf die Ladefläche. Zweites Problem. Wir bemerken, als wir quasi direkt hinter der Ladefläche stehen, dass wir auf Grund des Gefälles nach unten nicht ohne Probleme auf die Ladefläche drauf kommen. Das Problem ist unser fest montierter Fahrradträger. Dadurch verlängert sich die Fahrzeuglänge um 50cm nach hinten und Porthos bekommt seinen Hintern viel zu früh auf den Boden, bevor er überhaupt mit den Vorderpfoten auf der Ladefläche ist.

Ole wäre nicht Ole, wenn er keine zündende Idee hätte. Zuerst probiert er, die fehlende Höhe rechts hinten mit Holzbalken auszugleichen. Nur schwer lässt sich Porthos vorwärts bewegen, der kaputte Reifen will nicht wirklich auf das Holz. Nächste Variante – ein Luftkissen wird unter Porthos aufgepumpt und wir versuchen es mit einer Rutschpartie. Das erste mal klappt es, Porthos ist fast drauf. Beim zweiten Mal passiert es aber dann: Die Holzbalken, die zum Rutschen auf dem Luftkissen liegen, rutschen zur Seite und Porthos gleich mit. Fast wären wir wieder völlig von der Ladefläche gerutscht. Ich sitze im Fahrersitz und sehe nur wie Mone fast einen Herzkasper bekommt. Ole hat die Lage aber im Griff, nur sitzt jetzt dummerweise das Luftkissen zwischen Ladefläche und Porthos kaputtem Reifen. Wir sehen fast schwarz, doch plötzlich hält ein Bauer – der Retter in der Not – an und versucht, mitzuhelfen. An dieser Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, wie freundlich und hilfsbereit die Skandinavier sind. Dies durften wir auch schon an anderer Stelle in Schweden feststellen. Der Bauer zeigt Ole einen Ort, an dem es weitere Holzbretter gibt und mit dessen Einsatz stabilisiert sich die Lage allmählich wieder und der Bauer zieht das Luftkissen heraus. Wir können etwas aufatmen.

Das Luftkissen kann befreit werden, die Hölzer tragen dazu bei, dass Porthos doch auf die Ladefläche kommt und am Ende lässt Ole das Stahlseil ordentlich aufrollen. Porthos wird noch gesichert und wir fahren los. Die Fahrt strapaziert noch einmal ordentlich Mones Nerven. So ist der Weg bis doch sehr bergig  und kurvenreich und mit dem riesigen Abschleppwagen und Porthos hinten drauf ein echtes Abendteuer. Nach etwa 30 Minuten kommen wir in Halden an der Werkstatt an, in der Ole uns einen neuen Reifen bei – ich nenne ihn jetzt so – Lin, dem fixen Mechaniker klar gemacht hat. 1665 NOK soll uns der neue Reifen kosten. Etwas Schwund im Leben hat man wohl immer und wir sind froh, dass es noch so glimpflich ausgegangen ist und wir unsere Reise fortsetzen konnten. Auch hier sei noch einmal die Hilfesbereitschaft der Skandinavier betont:  Lin hat eigentlich um 16 Uhr Feierabend, steht aber nach 16 Uhr für uns noch auf der Matte und freut sich wie Bolle über unsere Ankunft, schenkt uns nach den Strapatzen ein wohltuendes Lächeln und vermittelt uns so das Gefühl, dass gleich alles gut wird. Und so sollte es auch kommen: So fix wie er unseren alten Reifen abmontiert und den neuen Reifen montiert hat, so fix sind wir auch schon wieder vom Hof. Wir sind unendlich dankbar! Ein großer Dank auch an Ole mit seiner vollen Einsatzbereitschaft! Was würden wir wohl tuen ohne gelbe Engel in der Pannennot?

Geschafft von dem ganzen Chaos beschließen wir die Reise nicht wie geplant bis Oslo fortzusetzen, sondern sie hier in Halden zu beenden. Wir lassen uns im Fort Fredriksten nieder. Der Campingplatz befindet sich inmitten von einer alten Festung und ist wahrlich schön gelegen. Abends laufen wir noch zur Entspannung durch die Festung und blicken der untergehenden Sonne über Halden entgegen. Der Ausblick hier entschädigt  die Strapazen des Tages. Schicksal oder Fügung – irgendwas auf der Reise möchte, das alles wohl so kommt wie es kommt. Und damit schließt sich der Kreis zur kölschen Mentalität: „Et kütt wie et kütt!“

Zurück zu Tag 12 gehen – Jetzt zu Tag 14 springen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.