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Skandinavien – Der sechzehnte Tag

Der letzte Tag in Norwegen bricht an. So langsam kommt doch etwas Wehmut auf. Aber wir kommen wieder! 🙂

Dänemarks Norden kenne ich noch aus meiner Kindheit und ich erinnere mich, dass ich Dänemark mit Ostfriesland verglichen habe. Ob ich es immer noch so empfinden werde? Porthos wird vor Abreise noch einmal mit Frischwasser vollgetankt, das Abwasser lassen wir auf dem Campingplatz mangels Abwasserrinne in unseren Eimer abfließen und kippen es mit der Hand in den Abfluss. So unterschiedlich können die Campingplätze hier sein: Der eine hat in seinem Preis alles drin, der andere hat gar kein Abwassergully und der nächste verlangt fürs Duschen bares Geld. Schade, dass es keinen einheitlichen Campingstandard gibt, aber stören tut es uns nicht wirklich. Wir arrangieren uns mit dem, was wir vor Ort vorfinden. Ready to go! Wir düsen ab nach Langesund.

Das Navi führt uns durch Nebenstraßen, die teilweise in sehr enge Gassen übergehen. Wegen einer Baustelle können wir nicht direkt über die Brücke, sondern müssen zunächst quer durch die ganze Stadt Brevik fahren. Plötzlich stockt uns der Atem: Wir treffen eine Stelle mit einer starken Links-Rechts-Kurve an, die bergabwärts verläuft und von beiden Seiten zusätzlich durch hervorstehende Geschäfte beengt ist. Panik kommt in uns auf! Wird Porthos hierdurch passen? Umdrehen ist nicht mehr möglich! Wir beten, dass Porthos diese Engstelle passieren kann. Eine zweite Panne (bzw. dritte Panne, wenn wir die anfängliche Strandpanne mit einbeziehen) wollen wir uns schließlich ersparen. Zur Sicherheit steigt Mone aus und kontrolliert alles: Es passt. Puh! Auch kein Gegenverkehr in Sicht!  Die Fahrt kann weitergehen und wir atmen auf. Normalerweise ist unser Navi so programmiert, dass es uns nur durch Straßen schickt, die unser WoMo passieren kann. Baustellen bilden hier aber die Ausnahme, so wie in diesem Fall!

Endlich erreichen wir die Brücke nach Langesund.  Auf unserer Strecke entdecken wir noch einen Supermarkt, der geöffnet ist und beschließen kurzerhand für die nächsten Tage in Dänemark, den Kühlschrank aufzufüllen. Wie wir feststellen durften, haben die meisten Supermärkte in Skandinavien auch sonntags geöffnet und das bis in die späten Abendstunden. Welch‘ ein Service! Mit aufgefülltem Kühlschrank, checken wir schließlich ein. 12:30 verrät der Blick auf die Uhr. Bis zur Abfahrt dauert es noch gute zwei Stunden. Wir vertrödeln unsere Zeit mit Kennzeichenraten, Blogkorrekturlesen, Ausschau nach der Fähre halten und staunen gegen 13:45 nicht schlecht, als die MS Stavangerfjord in den Hafen von Langesund einläuft. Die Fjordeinfahrt ist so eng, dass sich die Fähre beim Einlaufen rückwärts an die Landungsbrücke andocken muss. Spektakuläre Show für mich 🙂 (Mone ist zu sehr mit Korrekturlesen beschäftigt als dass sie es bemerkt hätte.)

Nach einer gefühlten Ewigkeit fahren wir endlich auf  die Fähre und werden im Schiffsbauch angweisen, eine halbe Runde zu drehen. Die MS Stavangerfjord hat keine Frontluke, sodass alle Fahrzeuge hinten rein- und auch hinten wieder rausfahren müssen. Dann endlich freuen wir uns auf fast fünf Stunden Pause während der Fährüberfahrt nach Hirtshals in Dänemark. Erst lassen wir uns auf dem Deck die prallende Sonne ins Gesicht scheinen, ernähren uns mit Lesefutter und stillen anschließend unsere Neugierde, was die Fähre noch so zu bieten hat. Steuerfrei Einkaufen kann man bekanntlich auf jeder Fähre. Doch auch hier trügt der Schein und wir staunen nicht schlecht über die völlig überteuerten Angebote. Um unseren knurrenden Magen zu stillen, gönnen wir uns das Sparmenü der Fähre: Eine Portion Pommes mit Mayo und Ketchup und etwas, das wie ein Hotdog aussieht. Als der Hunger gestillt ist, erreicht Musik unsere Ohren. Wir folgen dem Ohrenschmaus und landen im Unterhaltungsraum. Eine Liveband – für uns ein krönender Abschluss auf der Fähre.

Und nun ist Dänkemark auch schon in greifbarer Nähe. Punkt 19:00 Uhr kommen wir an und werden mit bestem Wetter begrüßt. Aufgrund der guten Wetterlage fassen wir den Entschluss, direkt nach Skagen zu fahren, an dessen Spitze  sich die Landzunge Grenen (Skagens Gren) befindet. Aus Erinnerungen weiß ich, dass es ein schönes Naturschauspiel ist, dort spazieren zu gehen und den rauschenden Wellen der Nord- und Ostsee beim Handgeben zuzusehen. Wir fahren also noch 50 Kilometer Richtung Osten. Kurz vorm Verlassen der Fähre lesen wir noch, dass man 150 DKK für eine Nacht auf dem hiesigen Parkplatz zahlen soll – einfach nur fürs Stehen. Anderswo waren bei diesen Stellplatzpreisen mindestens Strom und WC inklusive. Wir beschließen daher, die Nacht wieder frei auf einem Parkplatz zu verbringen. Bis 22 Uhr kann man dort aber noch kostenlos parken, wessen Angebot wir nutzen. Wir ziehen noch schnell unsere Wanderschuhe an und marschieren los. Wir staunen nicht schlecht über die Schönheit des Ortes und sind froh, so spät erst dort zu sein. So sind wir den Touristenstoßzeiten entkommen und können in Ruhe den Wellen lauschen. Von weitem sehen wir  plötzlich wie sich schon ein ganzes Stück vor der Spitze eine Menschentraube gebildet hat und fragen uns, was es dort wohl zu sehen gibt. Wir nähern uns dieser und entdecken zwischen den Köpfen ein Seerobbenbaby. Völlig entkräftet liegt es auf einem mit Absperrband abgesteckten Strandabschnitt. In unmittelbarer Nähe informiert ein Hinweisschild, dass die Mutter sich wohl noch um das Baby kümmert, es aber wartet bis die die Menschen verschwunden sind. Ich frage mich kurz, wieso die dann nicht im Sinne des Tieres handeln und den Zugang zur Spitze temporär sperren. Kommerz ist natürlich wichtiger als Lebewesen. Zugegeben, ich mache trotzdem ein Foto von dem süßen Tier und hoffe insgeheim, dass  das Baby die Mama inzwischen wieder bei sich hat.

Grenen lohnt sich auf alle Fälle mehr in den Abendstunden. Wer also dort hoch fahren möchte, sollte sich die Zeit nach 19 Uhr vornehmen. Zu dieser Zeit ist deutlich weniger los und man kann sich das Naturschauspiel auch in Ruhe ansehen.

Am Ausgangspunkt halten wir für unsere Sammlung noch im Souvenierladen  nach einem Dänemarkaufkleber Ausschau. Ich entdecke einen entsprechenden Aufkleber für 35 DKK (ca. 5 €). So langsam stellt sich das Gefühl ein, dass Dänemark zur Hauptsaison extrem überteuert ist. Aber auch die Lebensmittel hier schlagen kräftig in den Geldbeutel.

Wir verlassen also den Parkplatz und lassen auch den Souvenirladen hinter uns. 15 Kilometer weiter westlich finden wir an der Hauptstraße einen leicht abgeschotteten Rastplatz und stellen uns zu den anderen Fahrzeugen die dort Rast und Halt machen. Wir spielen noch eine Runde „Rauf und Runter“, ein Kartenspiel in dem Mone mittlerweile (zugegeben eigentlich von erster Sekunde an) Expertin ist. Hätte ich ihr nie beibringen dürfen *zwinker*!

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