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Skandinavien – Der zwölfte Tag

Nach den fantastischen ersten Eindrücken von gestern auf Tjörn beschließen wir heute die Tour bis nach Orust und darüber hinaus zu vollenden. So langsam müssen wir nach Norwegen kommen, wenn wir von da noch wenigstens etwas mitnehmen wollen. Mone diktiert fleißig die Koordinaten, die der Reiseführer empfiehlt und ich gebe sie in unser Navi ein. 230 Kilometer sollen mit Porthos abgefahren werden. Doch nach kurzer Zeit sind wir enttäuscht. Der Reiseführer hetzt uns von einem zum nächsten Badeplatz. Wir fragen uns, wie Rentner das machen? Fahren die einfach hin und drehen dann ab und weiter? Springen sie überall einmal kurz rein? Oder nehmen sie sich ellenlang Zeit für die ganzen Routen? Die Zeit fehlt uns jedoch leider….

Einen guten Reisetipp konnten wir dem Reiseführer dann aber doch noch entnehmen: Die Grabwelt Pilane (Pilane Grävfält). Gemeinsam mit einem Skulpturenpark befindet man sich inmitten von einer Steinsetzung aus der Wikingerzeit und kann eine fantastische Aussicht über Tjörn genießen. Gerade weil man sich auf einer der vielen Schäreninseln befindet, lohnt sich dieser Stopp mit dem Blick auf den ganzen Inseln drumherum. Von uns eine klare Empfehlung. Nachdem ganzen Malheur mit dem Reiseführer, nehmen wir uns für die Zukunft vor, wieder mehr auf eigene Faust zu fahren oder einfach einige Stopps gezielter und besser recherchiert herauszusuchen.

Orust wird zum Beispiel einfach nur durchquert, wir haben hier keinen schönen Ort aus dem Reiseführer entnehmen können. Durchqueren heißt knapp 30 Kilometer Serpetinen rauf und runter. Okay in Schweden sind die Straßen einfach nur eng und weniger steil. Aber das ändert nichts an meinem Konzentrationspensum. Ich werde den Tag über noch gute 6 Stunden hinter dem Steuer sitzen.Dennoch sind wir felsenfest überzeugt, dass auch Orust einiges zu bieten hat. Dies hat zumindest der Blick aus dem Fenster verraten. Wir kommen aus dem Schwärmen nicht heraus! Der Reiseführer verschwindet nun wieder ins Handschuhfach.

Auf Orust begegnet uns dann die erste kostenlose (!!) Fähre, die uns auf die Schäreninsel Malön rüberbringt. Es folgt ein Schäreninselhopping. So wartet am Ende von Malön die zweite kostenlose Fähre (übrigens bis hier hin beide kabelbetrieben), die uns nach Flatön bringt.  Als wir am Ende der Zubringerstraße auf die 161 links abbiegen und die dritte kostenlose, aber dieses mal nicht kabelbetriebene Fähre befahren, erreichen wir Lysekil und entdecken einen versteckten Wanderparkplatz von dem man eine Wanderung oberhalb von Lysekil machen kann. Der Wanderweg scheint interessant zu sein, aber unsere Kräfte und Konzentration lassen nach.  Auch ein Bummel in die belebte Stadt trauen wir uns nicht mehr zu. Selbst meiner Shoppingqueen ist das zu viel und das soll was heißen. 😉 Wir versuchen demnach in der Nähe einen Stellplatz zu finden, werden aber leider nicht fündig. Aber zurück zu den Fähren: Wir sind ganz angetan vom Service. Die Wartezeit war immer gering (die Fähren fahren in 20-Minuten-Takt) und alles lief reibungslos.

Stellplatzsuche steht also nun an und wir wagen dann doch noch einmal einen Blick in den Reiseführer. Dieser empfiehlt einen Stellplatz an einem stillgelegten Baggersee. Obwohl dieser sehr einsam und mitten im Nirgendwo liegt, treffen wir zwei weitere Wohnmobile mit deutschem Kennzeichen an. Ob die wohl den gleichen Reiseführer besitzen? Der Stellplatz wirkt aber sehr erdrückend auf uns. Keine Spur vom Wohlfühlambiente. Einziger Wehrmutstropfen: Dem Goldfischschwarm im Wasser zuzusehen, wie er seine Kreise zieht.  Nach kurzer Zeit fassen wir den Entschluss doch noch  Richtung Norden weiterzufahren, um so noch näher an Norwegen ranzukommen. Wir erhoffen uns, dass wir in der Nähe vom Bullaresjön etwas finden. Und tatsächlich entdecken wir irgendwann am Ende vom Bullarensee ein Schild, dass ein Hotel- und ein Wohnmobilpiktogramm zeigt. Wir biegen ab und fahren den Berg hoch. WOW! Was für ein Gefühl als wir oben ankommen. Mitten in idyllischer Natur eine große Wiese, davor ein geschotterter Parkplatz auf dem bereits eine deutsche Familie steht und dann eine Feuerstelle unter einem aus Baumstämmen bestehenden Tipi. Voll schön! Als wir später auf dem Schild lesen, dass man für 100 SEK (sollen einfach in den Briefkasten geworfen werden) hier eine Nacht bleiben kann, gehen Mone und ich noch zu Fuß zum Hauptgebäude 400 m weiter. Wir finden zunächst den Briefkasten nicht, als plötzlich Ingo rauskommt.

Ingo und Elke sind vor 10 Jahren aus Deutschland nach Schweden ausgewandert. Freundlich erzählt er uns etwas über die Elche, die sich seit kurzem in der Region befinden und erklärt uns, dass wir gegen Abenddämmerung vielleicht die Chance haben, welche zu sehen. Darüber hinaus bietet er uns an, Wasser aufzutanken, die Toilette zu entleeren und erzählt von der Möglichkeit, sich ins Gewächshaus zu setzen oder unter dem Tipi ein Feuer zu entzünden. Begeistert überreichen wir das Geld und bedanken uns für die Gastfreundlichkeit. Auf dem Rückweg werfen wir noch einen Blick in das Gewächshaus und verschwinden ohne Elcherkundung im Wohnmobil. Leider hat uns dann doch noch der erste Regenschauer auf unserer Reise in Schweden  überrascht. Das erste Mal seit Kopenhagen fällt wieder Wasser auf Porthos‘ Haupt.

Wer also mal da oben in der Region ist, sollte Ingo und Elke einen Besuch abstatten. Minto Tingvall ist die Homepage. Und alle WoMo Fahrer benutzen folgende Koordinaten: N58° 44′ 18.4″ E011° 33′ 13.1″ für den Stellplatz. Mountainbikes und Kanu können gegen Gebühr geliehen werden und der Bullarensee sah von der Straße her sehr einladend aus.

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